Bademode

Aus heutiger Sicht betrachtet, ist es nur noch schwer vorstellbar, dass die Menschen in unseren Breiten über viele Jahrhunderte das Wasser mieden wie der Teufel das Weihwasser. Mit dem Untergang des Römischen Reiches gib auch dessen Badekultur unter. Zwar gab es zwischenzeitlich wieder Badestuben, doch die verschwanden aufgrund kirchlicher Kritik und dem Glauben, dass an diesen Orten Krankheiten übertragen wurden. Was sicher auch nicht ganz falsch ist, denn nicht jeder Badegast kam in den Genuss von frischem Wasser.
 
Erst im frühen 19. Jahrhundert wurde das Baden wieder Teil des öffentlichen Lebens. Gebadet wurde allerdings streng nach Geschlechtern. Da sich nicht jeder an diese Vorschriften halten wollte, wurde Badekleidung erst wirklich notwendig. Ursprünglich ging es bei der Badekleidung vor allem darum, den Körper von Frauen und Männern gleichermaßen züchtig zu bedecken. Die ersten Badeanzüge waren zudem noch reichlich unpraktisch, denn die Ganzkörperkleidung aus Wolle oder ähnlichen Stoffen sog sich mit Wasser voll. Das störte die Sittenwächter aber nicht, Hauptsache der Badeanzug wirkte nicht transparent. Manch Schwimmer musste jedoch wegen zu schwerer Badekleidung gerettet werden.

Die Revolution der Badebekleidung

Bademode
Quelle: freedigitalphotos.net | ahmet guler
Erst mit Beginn der 1930er Jahre durfte etwas Bein gezeigt werden, doch dies ging konservativen Kreisen schnell zu weit. Der preußische „Zwickelerlass“ von 1932 regelte exakt, welche Körperteile beim Baden zu verhüllen seien und welche nicht. Für Frauen blieb lange Zeit der einteilige Badeanzug Pflicht auch wenn langsam zweckdienlichere Materialien wie Nylon zum Einsatz kamen. Die Revolution der Badebekleidung begann mit der Einführung des Bikini zu Beginn der 1950er Jahre. Von da an waren die Schranken gebrochen und die Badebekleidung entwickelte sich zu einer eigenen Modeart mit der uns heute bekannten Formen-   und Farbenvielfalt.
 
Badeanzug, Bikini, Tankini, Monokini, Sting-  Bikini, Microkini – die Bademode wurde immer einfallsreicher und meist auch knapper. Momentan gibt es wieder ein zurück zu etwas mehr Stoff. Wer sich aber an fremde Gestade begibt, was dank Last Minute Reisen heutzutage ja auch nicht mehr ganz so teuer ist, wird jedoch feststellen, dass sich die Bademoden regional unterscheiden. Brasilien zum Beispiel ist für besonders knappe Bikinis bekannt.
 
Männer badeten ursprünglich meist nackt. Dann trugen sie ebenfalls Badeanzüge, später setzte sich die Badehose durch. Heute ist die vor allem in Form von Shorts und so genannten Trunks – Badeshorts, die ursprünglich aus der Surferszene kommen – beliebt. Doch bei der im Wasser zu tragenden Kleidung hört die Bademode längst noch nicht auf, denn insbesondere die holde Weiblichkeit will auch am Strand gut aussehen: Zu einem vollständigen Outfit gehören Strandkleid, Pareo (ein Strandtuch), Wickelrock, Tunika, Kaftan und nicht zu vergessen die passenden Hüte und Strandschuhe, flapsig auch „Badelatschen“ genannt.